Freitag, 11.12.




Gorgeous Beach Landscape © Kwest; Fotolia.de


„Der Glaube lässt uns begreifen, dass es etwas Unbegreifliches gibt.“


Anselm von Canterbury


Anselm lebte im 11. und Anfang des 12. Jahrhunderts. Gott war für ihn der Größte. Die Menschen können noch so viel ausdenken und erforschen, Gott ist immer größer. Gott ist für Anselm „das, worüber hinaus Größeres nicht gedacht werden kann“ (aliquid quo maius nihil cogitari potest); für ihn der Beweis, dass es Gott gibt.

 

Anselm – ein Mensch aus dem „finsteren Mittelalter“, wohingegen uns modernen Menschen das Licht der Vernunft leuchtet – wirklich? Einiges scheint durcheinander geraten zu sein: Ob es Gott gibt oder – zumindest wahrscheinlich – nicht gibt: darauf antworten inzwischen die Atheisten. Und wo nicht mehr Gott, sondern der Mensch das Größte ist, da hat der Mensch – besonders wenn er alt und krank, noch nicht geboren oder einfach nur am falschen Ort und zur falschen Zeit auf die Welt gekommen ist, immer weniger Platz.

 

Gott ist nicht zu fassen, sagt Anselm. An Gott zu glauben, heißt noch längst nicht, etwas über ihn zu wissen. Gott bleibt der Un-fassbare, der Unbe-greifliche. Aber er hat sich an-fassbar und an-greifbar gemacht, als er Mensch wurde.

 

Paul Gerhardt dichtet in einem Weihnachtslied über den Gott in der Krippe: „O dass mein Sinn ein Abgrund wär und meine Seel’ ein weites Meer, dass ich dich möchte fassen.“ (GL 141,4)

 

Zum Nachdenken:

• Was ist für mich Glaube? Was ist für mich Vernunft?

• Und was hat das eine mit dem anderen zu tun?

• Halte ich Gott klein, oder lasse ich ihn so groß sein, dass für ihn – d. h. von ihm aus für mich – nichts unmöglich ist?

 


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